Der Countdown läuft…

Erasmus (255 Visitas) 3 Kommentare »

Nach längerer Zeit des Stillschweigens und „Frankreich-auf-sich-Wirken-Lassens“ melde ich mich mal wieder bei euch…

In den letzten Tagen ist nicht allzu viel passiert. Wir mussten (und müssen) für unsere Klausuren lernen und sie letztendlich auch schreiben und dabei mit Schrecken feststellen, dass uns nur noch wenige Tage zusammen bleiben. Schleunigst haben wir das gemacht, was alle guten Deutschen machen: Planen!

Freitag ging’s dann in gewohnt belgisch-französisch-deutscher Besatzung auf den Weihnachtsmarkt in Lille zum gemütlichen Glühweinschlürfen. Für 2,50€ gabs „Glühwein“ im stylischen Styropor- oder Plastebecher neben „saucisses munichoises“ (was war das eigentlich?) und „saucisses de Francfort“ (ne Wiener in nem Baguette), Waffeln mit allerlei Belag und Weihnachtspyramiden! Ja, selbst Weihnachtspyramiden wurden auf diesem kleinen, kitschig geschmückten Weihnachtsmarkt an einem Stand verkauft! Nachdem wir mit ansehen mussten, wie Thomas typisch französisch den leckeren Lebkuchen (sponsored by Verena) in den Glühwein getunkt hat, trennte sich unsere Gruppe kurz zur Arbeitsoptimierung. Während die anderen sich im Riesenrad (das is wirklich riesig und quietscht fürchterlich) vergnügten, kümmerten sich Inneke, Elke und ich um die Planung des nächsten Abends und reservierten in einem chilenischen Restaurant Plätze. Auf dem Weg zurück zu den anderen nahmen wir eine Abkürzung durch die Unterwäsche- und Parfümabteilung der „Galérie Lafayette“ (ähnlich einem großen Karstadt). Nachdem ich von Inneke mit „Acqua die Giò“ eingenebelt worden bin, trafen wir zufällig draußen auf Thomas und Guillaume und sind mit ihnen noch im Quick essen gegangen…zum Leidwesen der anderen, die sich in der Zwischenzeit in lebende Eiszapfen verwandelt hatten und in ein Café geflüchtet sind. Nach der „Réunion“ der Gruppe nahmen wir noch eine „chocolat chaud“- comme d’habitude – und verabschiedeten uns.

Samstag abend fanden wir uns alle in „El pueblo“ ein, um chilenisch zu essen. Wie immer – comme d’habitude – waren wir wieder die ersten im Lokal, die ersten, die bestellt haben, aber irgendwie die letzten, die gegessen habe (nach zwei Stunden Warten auf dem Hauptgang). Jedoch verging das Warten einigermaßen schnell, da wir mal wieder die dialektalen Unterschiede zwischen „uns Sachsen“ und „den Bayern“ erörtert haben. Thema war dieses Mal die Übersetzung des Wortes „crêpe“: für Ivonne und mich ist ein „crêpe“ ein Eierkuchen; für Verena, Rebecca, Annegret und Viktoria ein Pfannkuchen. Für „uns“ ist ein Pfannkuchen das, was die Bayern „Krapfen“ nennen. Und Krapfen sind bei uns wieder was anderes… Das Tüpfelchen auf dem „I“ war dann „sich den Ellbogen rammeln“, was für Sachsen überhaupt keine sexuelle Konnotation hat, jedoch für die Bayern hingegen schon…alles Weitere muss ich nicht erklären…

Gestern haben wir zusammen unter ERASMUS-Studenten „l’Auberge espagnole“ angeschaut, sind mit den Schauspielern durch Höhen und Tiefen gegangen, weil wir exakt die gleichen oder ähnliche Erfahrungen gemacht haben und zum Ende des Filmes ist mir so bewusst wie noch nie zuvor geworden, dass der erste Teil meines Auslandsaufenthalts sich mit großen Schritten dem Ende nähert. Während ich im Januar wieder nach Lille komme, heißt es für den größten Teil meiner Freunde hier von Frankreich, dem ERASMUS-Leben und letztendlich auch von seinen neugewonnenen Freunden Abschied nehmen. Vor allem, weil man sich innerhalb den letzten 3 Monate fast täglich gesehen hat, miteinander Erfahrungen geteilt hat und unglaublich viel Spaß miteinander hatte, wage ich es fast von einer Art von „Ersatzfamilie“ zu sprechen. Gerade der Fakt, dass immer jemand da war, in einem Land manchmal so grundverschieden zu Deutschland, mit dem zusammen universitäre Probleme lösen (Was mach ich jetzt mit dem Learning Agreement? Wieviel ECTS gibt’s? Was kommt zur Klausur dran) oder einfach nur Spaß haben konnte (Guapa Bar, diverse soirées, manche feuchtfröhlicher als andere [LEMONTREE], Gummibärchentest, Treffpunkt: Chasse d’eau…), bewirkt, dass ich fast nur positive Erinnerungen an diese ersten 3 Monate hier in Frankreich haben werde. Trotzdem werden mir meine deutsch-belgischen Damen fehlen, aber ich glaube stark, dass der Kontakt noch erhalten bleiben wird…vor allem meine daheimgebliebenen Erzgebirgler werden bestätigen können, dass ich relativ treu und kontinuierlich melde…tja, wen ich einmal ins Herz geschlossen hab, der kommt da nicht mehr so schnell raus… ;)

Gut, ich will nich zu nostalgisch werden…das mach ich erst dann, wenn ich zu Hause bin und wieder alles mit etwas mehr Abstand und in seiner Gesamtheit betrachte…

So, dann wünsch ich euch noch nen schönen Abend und zählt die Tage bis euer Lieblingsmatze wieder im Gebirge einfliegt (am 22.12. bin ich wieder daaaaaa!!!)

Je vous embrasse!!!

Kollektiver Bakterienaustausch zur soirée franco-allemande-belge

Erasmus (178 Visitas) Kein Kommentar »

Ein herzliches Hallo an meine verehrten Leser! Es wird mal wieder höchste Zeit, dass ich mich aus dem Land des Weines wieder einmal bei euch melde. Denn es ist mal wieder allerhand passiert.

Die wohl positivste Nachricht ist, dass wir jetzt unglaublich viel mit Franzosen machen. Jeder Deutsche hat ja eigentlich mehr oder weniger einen oder zwei Tandempartner hier, mit dem man sich mehrmals die Woche trifft, was uns erlaubt hat mit *echten* Franzosen Freundschaft zu schließen. So sproß dann auch die Idee, einmal alle Deutschen mit ihren Franzosen, sowie unseren unverzichtbaren Belgierinnen, eine „soirée franco-allemande-belge“ stattfinden zu lassen. Aufgrund des nahenden Endes des Auslandsaufenthaltes für die meisten von uns wurde auch nicht lang gefackelt und die erste soirée für den Freitag nach unserer Balzac DS (ich hab so einen Hafer in dieser Klausur geschrieben) festgesetzt.

Es wurde gegessen, getrunken, gelacht…sehr amüsant und sehr zweisprachig….und bald darauf haben wir uns entschlossen, diese soirée zu wiederholen.

Diesen Samstag war dann die „rattrapage de la soirée franco-allemande-belge“. Aber dieses Mal mit Kulturprogramm, weil sich ja Weihnachten nähert, niwwa? Deswegen habe ich mir auch aus heimatlichen Gefilden einen Stollen und Kräuterschnaps schicken lassen, die eigens zu dem Zweck der Völkerverständigung geliefert worden sind. Nach einer Runde Kräuterschnaps für alle, begannen wir mit dem ersten Punkt des Kulturprogramms: dem Gummibärchentest…warum? Ganz einfach, weil französische und deutsche Gummibärchen verschieden sind! Warum? Ganz einfach, weil die Franzosen noch Farbstoffe verwenden, die in Deutschland verboten sind! Ob man wirklich einen Unterschied schmecken kann, wollten wir gestern herausfinden… für mich war es etwas schwierig, da ich noch nie meine deutschen Goldbären betrogen habe…aber es gibt wirklich einen Unterschied in Geschmack und Konsistenz! Wir haben den Testpersonen dann die Augen verbunden, eine Frankreich- und ein Deutschlandfahne in die Hand gedrückt, die nach dem verkosteten Goldbären die Entscheidung der Person anzeigen sollte. Irgendwie waren die Franzosen besser als wir…na ja…

Punkt zwei des abendlichen Kulturprogramms, war der feierliche Anschnitt des Stollens und das Entzünden der ersten Räucherkerze…ein unglaublich mitreißender Moment für mich… Lecker Stollen…wie bei Mutti :D …und dann war da auch noch Camilles leckerer Kuchen *miamm*

Anschließend gab es einen Bruch mit der französischen Tradition: Normalerweise isst man die „galettes de roi“ (ein runder Blätterteigkuchen mit Apfelfüllung) am 06.01.. Die „galette de roi“ ist wie oben schon erwähnt ein Kuchen, in den eine „fève“ (eine kleine Keramikfigur) eingebacken wird. Derjenige, der in seinem Stück Kuchen diese fève findet, ist der „roi“ bzw. die „reine“ und wird gekrönt. Aufgrund der Menge der Leute haben wir zwei Galettes gegessen: das heißt dann im Bestfalle ein König und eine Königin… und was soll ich sagen, am Ende des Abends waren Bayern und Sachsen geeint :D …Aber nur für einen Abend, keine Sorge! Nachdem ich und meine bayerische Königin Viktoria von der evangelischen Päpstin Verena gekrönt wurden waren, mussten wir natürlich standesgemäß zu unserem Hofstaat sprechen und unsere Kronen den ganzen Abend tragen. :)

Letzter Punkt (erlassen von königlichen Gnaden und in unglaublich sonorer Bassstimme vorgetragen) war dann die Organisation des „Wichtelns“. Das sagt euch doch allen etwas, oder? Wie damals zu den Weihnachtsfeiern in der Schule, als man einen Namen gezogen hat und für die betreffende Person ein Geschenk (aber heimlich *psst*) besorgen musst! Naja, wir machen das auch wieder! Nach einigen organisatorischen Schwierigkeiten, weil zwei potentielle Wichtler nicht da waren („Wie machen wir das jetzt mit Irina?“ „Und mit Elke?“) hatte jeder einen Namen gezogen und das feierliche Wichteln wurde auf den 06.12. gelegt.

Leider musste der Abend vorzeitig enden, da ich eine Fieberattacke bekommen hab und damit auch beinahe ein unfreiwilliges tête-à-tête mit dem Porzellan… Allerdings war ich nich der einzige, dessen Gesundheit *etwas* angekratzt war…heute sind 7 von 11 Personen krank…eieiei, die Grippe geht um!

So, dann setz ich mich wieder an mein Altfranzösisch…Pseudolernen :D !

Man schreibt sich später!

 

Soirée franco-allemande-belge (1)Gummibärchentest…auch mein Mitbewohner wurde nicht verschont… und Viktoria als Maren Gilzer der GummibärchenHeil dem König!



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